Kategorie: Blog
Veröffentlicht: 1. März 2021
Solidarität statt Häme

Wir werden alle zu Opfern der jetzt Herrschenden! In Zukunft bestimmt der Staat über unsere Freiheiten: Keine Flüge mehr! Weniger Kinder in die Welt setzen! Mehr linken Moralismus und mehr Ökodiktatur wagen! Warnung: Jetzt kommt der Klima-Lockdown! 

So ungefähr lauten die Thesen eines aktuellen Artikels in der FAZ am Sonntag (v. 28. 2. 2021: Mehr Diktatur wagen) von Rainer Hank, dem bad guy unter den (FAZ-)Journalisten: eine derart offen zur Schau gestellte ätzende Polemik ist ein Musterbeispiel für einen nicht-solidarischen Diskurs, der unsere Gesellschaft zunehmend durchsetzt und  immer bewusster noch weiter spaltet.

Bildunterschrift

Wie kann man als Autor nur derartig polemisch und hämisch über Politik berichten, die zwar denkbar aber so wohl in keiner Weise mehrheitlich durchsetzbar wäre? Wird Häme heute zu einer mehrheitsfähigen Grundstimmung in diesem Land, in dem zunehmend alle verbal gegen alle anderen austeilen und das Gefühl für eine solidarische Verantwortung aller für alle zunehmend zersetzt wird?!

Diese eindeutig rechtskonservative Strategie ist seit langem bekannt: man übertreibt eine Tendenz einer linken politischen  Entwicklung so lange, bis sie als eine (sur-) reale Option und damit wie gerade heute als Vernichtung von Freiheitsrechten erscheint. Sicher ist damit eines: man erzielt medienwirksam Aufmerksamkeit, weil man für sich in Anspruch nimmt, scheinbar verdrängte Wahrheiten im Namen von Wahrheit auszusprechen.

Was man auf diese Weise nicht produzieren will, ist die Fähigkeit, den Argumenten auch anderer Sehweisen Raum zu geben. Eine derartig platte, hämische Rhetorik mag heute in erzkonservativen Kreisen ja angesagt sein; zukunftsorientiert ist sie mit Sicherheit nicht. Statt zu formulieren „Mehr Diktatur wagen“ –  was ja im Nachhinein auch noch Willy Brands Motto der späten 60er lächerlich macht  –  sollte man lieber die eigene Phantasie lieber in Optionen stecken, die es ermöglicht, Gedanken in die Welt zu setzen, die alle in der Gesellschaft dazu zwingen, an dieser zu partizipieren anstatt sie gezielt mit hämischen Ressentiments zu belasten: „Wie geht eigentlich Solidarität?“ 

Gerade heute muss man sich wohl auch fragen: wie reagieren eigentlich KünstlerInnen auf  diese Bedrohung ihrer alten und neuen (digitalen) Freiheitsräume? Wie solidarisch agieren sie unter heutigen Bedingungen zunehmend in Frage gestellter Solidarität in der Gesellschaft?  

Michael Kröger

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