I AM MILLI (Die Ausstellung wird verschoben auf 2022)

Aufgrund der aktuellen Verordnungen zur Eindämmung von SARS-Cov‑2 mussten die Ausstellungsvorbereitungen leider unterbrochen werden. Reisebeschränkungen und  Unwägbargkeiten in Bezug auf die Öffnung des Kunstraums haben uns veranlasst, die Ausstellung auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.

kuratiert von Natasha A. Kelly 

Mit  Sonia E. Barrett, Nathalie Mba Bikoroy, Zari Harat, Nadu Hormann, Ingrid Mwangi Hutter, Monilola Olayımı Ilupeju, Belinda Kazeem-Kaminski, Magda Korsinsk, Maseho, Patricia Vester

Vom 15. Mai bis 17. Juli zeigt die Gesellschaft für zeitgenössische Kunst e.V. im Kunstraum hase29 die Ausstellung I AM MILLI kuratiert von der Wissenschaftlerin, Autorin und Filmemacherin Natasha A. Kelly. Im Zentrum steht Kellys preisgekrönter Dokumentarfilm „Millis Erwachen“, der 2018 von der Berlin Biennale in Auftrag gegeben wurde. In acht aufeinanderfolgenden Kurzfilmen berichten Schwarze Frauen, die ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland haben, von ihren Herausforderungen in und mit deutschen Kunstinstitutionen, von visueller Repräsentation sowie von politischer und sozialer Ausgrenzung.

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Ihre biografischen Erzählungen zeigen, inwieweit die Beschäftigung mit Kunst (in all ihren Erscheinungsformen) als „Heilmittel“ dienen kann, um gelebte emotionale Isolation, gesellschaftliche Unterdrückung, Rassismus und Sexismus zu lindern. Der Titel des Films geht auf das Gemälde „Schlafende Milli“ des Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner aus dem Jahr 1911 zurück. Es zeigt den nackten Körper einer Schwarzen Frau, die auf einem Sofa liegt. Ihre Augen sind geschlossen, dennoch suggeriert lediglich der Titel, dass sie schläft. Ihr Körper ist mit einer kräftigen Linie konturiert, die Farben sind unvermischt aufgetragen. Rechts malte Kirchner eine Figur in einem leuchtenden Pink, das mit der dunklen Hautfarbe „Millis“ kontrastiert und einer afrikanischen Skulptur ähnelt, die in einer tanzenden Bewegung festgehalten zu sein scheint.

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1911 malte er die »Schlafende Milli« nackt auf einer Couch liegend. Als Inspirationsquelle ließ er nur die eigene Potenz gelten. Während zahlreiche Kunsthistoriker_innen neben der Ästhetik auch die Sexualfantasien vonKirchner in den Fokus ihrer Analysen nehmen, taucht der Film in die Gedanken- und Gefühlswelt seiner »Muse« ein und lässt Milli sinnbildlich erwachen. In Interviews mit der FIlmemacherin Natasha A. Kelly kommen SchwarzeKunstschaffende verschiedener Generationen zu Wort, die in und durch ihre künstlerische Arbeit die gängigenkolonialtradierten Stereotype überwunden und ihre eigene selbstbestimmte Identität als Schwarze Frauen*innerhalb der weißen deutschen Mehrheitsgesellschaft ausgeformt haben. Sie berichten von ihren Herausforderungen in und mit deutschen Kunstinstitutionen, von visueller Repräsentation und politischer und sozialer Ausgrenzung. Wo lässt sich auf ihren Erfahrungen aufbauen? Welche Strategien könnenzusammengebracht werden? Welche müssen neu gedacht werden? Kunst bildet damit nicht nur die Architektur des Films, sondern wird auch als Grundstein für den sozialen und politischen Aktionismus der Projektbeteiligten dargestellt. In der gleichnamigen, zweisprachigen Publikation werden die geführten Interviews in ihrer vollen Längeabgedruckt. Ziel ist es, die Bedeutung künstlerischen Schaffens aus einer Schwarzen feministischen Perspektiveaufzuzeigen.

Dr. phil. Natasha A. Kelly ist freie Autorin, Kuratorin und Wissenschaftlerin. In ihren Arbeiten verbindet sie Theorie und Praxis und schafft es damit, Transferleistungen zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Politik herzustellen. Zudem ist sie seit vielen Jahren in der Schwarzen deutschen Community engagiert. Neben ihrer beratendenTätigkeit für verschiedene Kunstinstitutionen ist sie die künstlerische Leiterin der Theaterreihe »M(a)y Sister«, die seit 2015 amHAU Hebbel am Ufer Theater in Berlin aufgeführt wird. Ihr Debütfilm »Millis Erwachen« (2018) lief von Juni bis September 2018 auf der 10. Berlin Biennale und ist von Oktober 2018 bis März 2019 am Museum für Moderne Kunst MMK in Frankfurt zu sehen. Mit der gleichnamigen Publikation und ihrem gleichzeitigen Debüt alsFilmemacherin stellt sie entgegen den gängigen Formaten der Dominanzgesellschaft kollektive Erfahrungen und Gefühle von Schwarzen Künstlerinnen in ihrer Vielfältigkeit und Verwobenheit dar, so dass die Kontinuität Schwarzer Feminismus in Deutschland sichtbar wird.

http://www.NatashaAKelly.com

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